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Sibel Kekilli, 24 Jahre alt, deutsche Schauspielerin türkischer Herkunft. Kaum wurde sie durch einen Goldenen Bären bei der Berlinale berühmt, hat die Presse sie wegen einer kurzen Pornokarriere gebrandmarkt.

Zum Teufel mit dem Islam
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von Odile BENYAHIA-KOUIDER (Der Artikel wurde für www.sibel-kekilli-fan.de frei übersetzt und formal an das Original angepasst.)
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Montag, 19.Juli 2004
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Zwei Tage im Himmel. Und dann die Hölle. Der gefeierte "Star" des neuen deutschen Kinos, Sibel Kekilli, strahlte an jenem Samstag im Februar, als sie ihren Goldenen Bären in den Händen hielt. Funkelnde Mandelaugen, ein engelsgleiches Lächeln, die gesamte Presse knipste. Zum ersten Mal seit 18 Jahren hatte ein deutscher Film, "Gegen die Wand" von Fatih Akin, den Preis für den besten Film bei der Berlinale (Berliner Filmfestival) erhalten. Am Dienstag hatten die Schlagzeilen ihren Tenor geändert: "Sibel, die Sünderin", "Sibel, die Porno-Diva". Untermalt durch Fotos aus den Videos hatte die populäre Tageszeitung BILD ein zweiwöchiges Dauerfeuer gestartet. Man bedenke, eine deutsche Schauspielerin, die Pornos gedreht hat, ist nur eine Randerscheinung. Aber eine Schauspielerin türkischer Herkunft, das ist ein echter Skandal!

Vater Kekilli, der durch die Presse von Sibels wechselhafter Vergangenheit erfuhr, hat seine Tochter verstoßen. Ihre Schwester (zweieiige Zwillinge) hat die Verbindung abgebrochen. Durch ein merkwürdiges Spiel von Spiegeln hat das private Leben der Schauspielerin Sibel das der fiktiven Sibel eingeholt.

"Gegen die Wand" erzählt die Geschichte einer jungen Türkin namens Sibel, die versucht, ihrer Familie und dem Selbstmord dadurch zu entgehen, dass sie Cahit, ein Verlierertyp wie sie, davon zu überzeugen versucht, durch eine Zweckehe dem familiären Einfluss zu entkommen. Die beiden Desperados finden gerade ihren Lebenswillen wieder, als Cahit versehentlich einen von Sibels Liebhabern tötet. Das provoziert die Verbannung durch die Familie für die junge Frau...

"Dieses Szenario war wie eine Vorahnung" stößt die junge Schauspielerin nachdenklich hervor. Sie ist einfach, nur in Jeans und eine rosafarbene Crepebluse, gekleidet. Kein Make-up. Vor allem kein tiefes Décolleté. Sibel wohnt seit einigen Monaten in Hamburg, "einer zu großen Stadt mit zu großen Unterschieden zwischen Reichen und Armen." Sie scheint von ihrem neuen Ruf eingeholt worden zu sein. "Das ist ein bisschen viel für meine Schultern", seufzt sie, ihr Blick verliert sich im Kaffee. "Ich habe in einem Jahr erlebt, was eine normale Schauspielerin in zehn Jahren durchlebt. Den Ruhm und den Niedergang. Ich wusste, dass meine Vergangenheit eines Tages wieder hochkommen könnte, aber ich habe keine so schmutzige Kampagne erwartet." Sibel hatte bereits komplett mit Pornofilmen aufgehört, als Fatih Akin sie für seinen Film auswählte. Sie hatte noch nie von ihm gehört. Sie ging nicht ins Kino, auch nicht, um sich einen amerikanischen Schinken anzusehen. Als der Castingagent sie in einem Kölner Geschäft ansprach, glaubte sie an einen schlechten Scherz. "Diese Rolle, das war eine Chance für mich, ich konnte sie doch nicht ausschlagen aus Angst, dass man eines Tages meine Vergangenheit entdeckt!" Die Dreharbeiten waren nicht gerade erholsam. Es heißt, das Frauenzimmer ist nicht fügsam. Birol Unel, der Hauptdarsteller, wollte unter gar keinen Umständen mit einer Anfängerin drehen. Aber Fatih Akin wollte sie um jeden Preis: "Ich hatte verdammte Mühe, sie zu finden", erklärt er. "Schauspielerinnen türkischer Herkunft so um die zwanzig gibt es so gut wie gar nicht in Deutschland. Und außerdem war keine von ihnen bereit, sich vor der Kamera auszuziehen. Die in Deutschland lebende türkische Gemeinde ist viel traditioneller als in der Türkei!"

Die Familie Kekilli, Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau, stammt ursprünglich aus dem Südosten der Türkei und ist relativ offen. "In meiner Familie tragen die Frauen kein Kopftuch", erzählt Sibel. "Ich konnte seit dem sechzehnten Lebensjahr an Schulausflügen teilnehmen, und ich erhielt sogar die Erlaubnis, mir ein Nasenpiercing machen zu lassen." Aber es gibt auch Verbote, die immer erdrückender werden für ein junges Mädchen, das in Deutschland geboren wurde und besser deutsch als türkisch spricht. Sie darf sich nicht schminken. Sie darf keine Miniröcke tragen. Sie darf keinen Freund haben. Obwohl sie eine gute Schülerin ist, muss Sibel in der 11. Klasse die Schule verlassen, um im Rathaus von Heilbronn zu arbeiten, Abteilung Hausmüll. "Ich hatte ständig das Gefühl, einen Strick um den Hals zu tragen", erzählt sie. "Obwohl ich meinen Lebensunterhalt selbst verdiente, riefen meine Eltern mich an, um mir aufzulisten, welche Dinge mir verboten und welche mir erlaubt waren. Ich musste für alles um eine Erlaubnis bitten." Pornofilme hat sie sechs Monate lang gedreht, weil sie eine Menge Geld brauchte. Nicht, so sagt sie, für tonnenweise Klamotten oder für Discobesuche, sondern um ihrem Vater eine Freude zu machen, indem sie eine große Hochzeit organisiert. Ein echtes Fiasko. Das Fest wurde gefeiert, aber die Eheschließung (mit einem Deutschen) hat am Ende nie stattgefunden. Als türkische Staatsbürgerin hat sie ihre Papiere nicht rechtzeitig erhalten. Schließlich hat sie ihren potentiellen Ehemann verlassen (sie lebt heute mit einem anderen deutschen Freund zusammen), der ihr nicht half, die Schulden zurück zu zahlen. Ihr Vater hat auch nicht zahlen wollen. Eine wahre Geschichte oder Erfindung des rebellischen Opfers, das die Verantwortung für seine Handlungen nicht tragen will? Ihre Agentur hält sich bedeckt. Ihre Filmkollegen tun sich schwer damit, die Geschichte des fehlgeleiteten Aschenputtels zu schlucken. Kellnerin in einer Bar, Verkäuferin für Obst und Gemüse auf den Märkten, Nachtclub - Dame... Sibel schafft es nicht, ihre Schulden zu begleichen. Um leichter Geld zu verdienen, macht sie einige Nacktaufnahmen, dann ein paar mal Striptease, ehe sie Pornofilme dreht.

"Im Grunde war es ein Akt der Rebellion. Ich war böse auf alle, auf mich selbst, auf meine Familie, auf die türkische Tradition und sogar auf Deutschland." Wenn sie die doppelte Staatsbürgerschaft gehabt hätte, wäre ihr Leben vermutlich eher nach klassischem Muster verlaufen. Die Hochzeit hätte stattgefunden. Sie hätte heute eine "normale" Arbeit, vielleicht Kinder, obwohl sie sich dafür nicht reif genug fühlt.

"Alles in allem habe ich niemandem geschadet!" ruft sie aus, wobei sie zugibt, dass es für einen Muslim schlimmer ist, einen Pornofilm zu drehen, als einen Menschen zu töten. Sibel hat sich immer als eine Deserteurin betrachtet. Schon als Kind lebte sie für sich, hatte keine Freunde. fühlte sich ihrer Mutter nicht nah, verstand sich nicht sehr gut mit ihrer Schwester. "Einem Türken gegenüber zuzugeben, dass man nicht an Gott glaubt, ist schon ein Akt der Rebellion", unterstreicht sie. Als Heranwachsende erkundete sie alle Religionen und verstand sich am Ende als totale Atheistin. "In einer bayerischen Schule Kreuze zu sehen, regt mich genauso auf. Jeder muss das Recht haben, privat ein Kopftuch zu tragen. Aber nicht in öffentlichen Einrichtungen wie in Schulen. Und dann sollte man sich auch nicht schminken, eine engsitzende Hose tragen oder rauchen, sonst macht es keinen Sinn." In Istanbul hat das Anlaufen des Films nicht zum befürchteten Aufruhr geführt. Die örtliche Presse hat einige harmlosere Fotos ihrer "Großtaten" veröffentlicht. Einige Frauen haben Sibels Übertretungen als eine Art Emanzipation verstanden. "Natürlich würde ich keinem jungen türkischen Mädchen empfehlen, dasselbe wie ich zu tun, aber falls ich am Anfang einer kleinen sexuellen Revolution gestanden haben sollte, indem ich die Väter dazu gebracht habe, mit ihren Töchtern über die Sexualität zu reden, umso besser. Alle Frauen müssen ein unabhängiges Leben führen können." Jetzt will sie als Schauspielerin weitermachen. Die rebellische Sibel hat beschlossen, sich von ihrer ersten Gage die Nase richten zu lassen. Wie alle Sternchen. Sie will ihr Leben ändern. Und endlich mit der Vergangenheit brechen.



 
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  Sibel Kekilli in 5 Daten
16 Juni 1980
geboren in Heilbronn (Baden-Württemberg)
September 1997
Beginn der Berufsausbildung im Rathaus Heilbronn
Oktober 1999
(Beinahe-)Heirat
14 Februar 2004
"Gegen die Wand" gewinnt den Goldenen Bären beim Festival in Berlin mit Sibel in der Hauptrolle.
17 Februar 2004
Die Tageszeitung BILD enthüllt die von der jungen Schauspielerin gedrehten Pornofilme.
 
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